Metall zwischen den Zähnen

Der Fahrplan stand fest: die Bronze-Tour. Eine lockere, kleine 80 km Runde beim Bodensee-Radmarathon. Das traute ich mir am Samstag, 10. September zu.

RV Altenrhein organsierte den Bodensee-Radmarathon.

Das Wetter war prächtig. Und nach Alpenbrevet und Gruyère Cycling Tour konnte ich nun die Beine auch ein bisschen baumeln lassen am Schluss der Velosaison. Der Bodensee-Radmarathon ist auch das letzte Rennen der Veloserie Swiss Cycling Top Tour. Als Startort wählte ich nach einer kurzen Bahnfahrt Stein am Rhein aus. Das Anmeldeverfahren verlief wie üblich unproblematisch und schnell. Die Stempelkarte landete im Trikot und am Verpflegungsposten staunte ich, wie behände drei Kinder Biberli, Bananen und getrocknete Früchte den Teilnehmern und Teilnehmerinnen zur Verfügung stellten. Los geht’s. Und ich wusste, dass auch beim 43. Bodensee-Radmarathon etwas sehr wichtig war: Konzentriert fahren, so dass man keine Abzweigung verpasst. Doch genau dies geschah. Hatten die Zeppelins, die sich in der Luft kreuzten, meine Aufmerksamkeit geraubt? Oder war es der kleine Schwatz mit einem Italo-Rennradfahrer? Am Schluss landete ich auf der Fähre nach Meersburg. Die kurze Bekanntschaft mit dem Italiener war schon beendet, denn er war zurückgekehrt. Ich beherzigte jedoch die Worte meiner Mutter: „Avanti, avanti. Non si torna indietro.“ Ja, vorwärts geht’s. Und bald kam der neue Zwischenhalt in Kressbronn. Und nach Bregenz folgte Altenrhein. Deutschland, Österreich und die Schweiz sieht man gewöhnlich nicht an nur einem Tag. Die Beine brachten die Kurbeln zum Drehen. Das Herz gab den Takt an, die fruchtbare Landschaft umrahte den See. Die Müdigkeit konnte ich jedoch nicht verbergen. Denn: Am Schluss würden sich 220 km - die goldene Tour - in den Beinen befinden. Der Zufall wollte es, dass zwei Mountainbiker und ein junger Rennradfahrer auf einem Cilo-Stahlrahmen mich „im Schlafwagen“ mitfahren liessen. Oder anders ausgedrückt: Im Windschatten fuhr ich bis nach Tägerwilen mit ihnen, schnitt jedoch im Gegensatz zu den jungen und wilden Velofahrern keine Kreisel und sprang auch nicht von der Strasse locker aufs Trottoir bei einer Geschwindigkeit von 30 km/h. Kurz: Ich überlebte das Himmelfahrtskommando mit den tätowierten Bikern und pedalte erleichtert nach Stein am Rhein. Das malerische Dörfchen erreichte ich eine halbe Stunde nach Postenschluss. „Hat es noch eine Medaille?“, fragte ich den Postenverantwortlichen, der bereits im Lieferwagen sass. „Ja, klar. Voilà! Die Goldmedaille zwischen den Zähnen löste ein befreiendes Glücksgefühl aus. Zum Zubeissen hatte ich jedoch keine Kraft mehr. 

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